Das seltsame Barometer der Großtante Hilde
Leo war Mitte zwanzig, neu in der Stadt und fühlte sich, als würde er mit einem alten Röhrenradio durchs Leben gehen – immer auf der Suche nach einem klaren Empfang, aber meistens nur mit einem Rauschen konfrontiert, besonders wenn es um seinen „Gaydar“ ging. Die queere Community dieser riesigen, glitzernden Metropole schien ein leuchtendes Leuchtfeuer am Horizont zu sein, aber Leo stand am Ufer, die Hände in den Hosentaschen, zu schüchtern, um ins Wasser zu springen. Er sehnte sich nach Verbindung, nach dem Gefühl, dazuzugehören, aber seine Zunge schien am Gaumen festzukleben, sobald er den Mund aufmachen wollte.